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Bericht von Marcus Rinke über seine 444km-Tour beim Radmarathon in Rockenhausen

Der lange Samstag

Vor einem Jahr, nach den 303 km von Rockenhausen und der anschließenden Heimfahrt mit kleiner Sonderrunde (400 km) sagte dann unser Sohn nur noch: „Papa, du siehst sch … aus. Und er hatte recht! Aber ich sah damals schlechter aus, als ich mich gefühlt hatte und sah auch schlechter aus, als dieses Jahr nach den 444 km. So jedenfalls die ehrliche Meinung meiner Frau. Also „Rockenhausen 2012“, das kam so:

„Papa, wenn du schon mehr als 400 km fahren willst, dann kannst du ja morgens gleich nach Rockenhausen hinfahren und abends wieder zurückradeln. Dann braucht dich ja Mama morgens gar nicht zum Start bringen und die Sonderrunde muss auch nicht sein“. Die Logik ist überzeugend. Obwohl ich mit Norbert & Andrea oder optional auch mit Jörg Lindemeier hätte zu Start fahren können. Aber die Idee morgens zum Start mit dem Rad anzukommen, dann den Marathon fahren und abends wieder zurück zu radeln ist „sexy“.

2:30 Uhr, der Wecker klingelt, der „lange Samstag“ fängt an. Die Radsachen liegen schon alle griffbereit und während des Anziehens „pumpe“ ich mir noch schnell eine Schüssel Müsli in den Bauch, denn das spart Zeit. Abfahrt pünktlich 3:00 Uhr, so dass ich dann schön langsam fahren kann. 5:50 Uhr muss ich am Start sein (Anmelden), damit ich mit Andrea, Norbert und Jörg gemeinsam im 6:00 Uhr starten kann.

Es ist frischer Wind aus Ost-Nord-Ost angekündigt, was für Rockenhausen sehr ungünstig ist, denn dann gibt’s am Nachmittag,  wenn ich (wie immer) meinen Durchhänger habe, Gegenwind. Auch jetzt, am Morgen, bläst es schon ordentlich von vorne, aber es ist erstaunlich warm. Hinter Otterberg höre ich in dem Wald, den ich gerade durchquere laute Tritte aus dem Unterholz. „Alles aber jetzt keinen Bergaufsprint“, nur weil Wildschweine hinter mir her sind“, denke ich noch so bei mir, als es schon wieder zügig bergab geht. Und da passiert es. Gleich hinter einer Linkskurve stehen zwei halbstarke jugendliche Rehe fast mitten auf der Straße, ich bremse, weiche aus; das eine Reh rennt die Böschung hoch, das andere rutscht mit den Hinterläufen auf dem Asphalt aus. Das war knapp! Und ich bin ab jetzt richtig wach.

Das ist auch gut so, denn gemeinsam starten wir planmäßig zu viert. Norbert & Andrea, Jörg und ich. Norbert sieht der kurz vor uns startenden Gruppe die Fitnesswohl schon an deren Waden an. „Los kommt, die Gruppe sieht gut aus!“. Und wir vier düsen los, -ziemlich schnell. Gut dass ich schon warmgefahren bin! Die Gruppe gibt super Windschatten. Rennfahrer Norbert „wittert“ so etwas scheinbar genetisch bedingt. So können wir zwar noch klönen, aber das Tempo ist dennoch fast zu schnell für mich, denn der Samstag soll ja ein „langer Samstag“ werden. Andrea stimmt mir zu, macht aber einen sehr fitten Eindruck und Jörg ist in der Gruppe ohnehin immer vorne mit dabei. Bei der ersten Verpflegung ruft Norbert nur: „Lasst uns durchfahren!“. –Ok, ich habe ja noch 2 Bananen in der Rückentasche und freue mich, dass ich bereits warmgefahren bin. Oh je, diese Rennfahrer!!!

Bis Kastellaun haben wir drei es (unabhängig voneinander) leider nicht geschafft Jörg zu überreden, dass er doch die 303 er-Runde mit uns fährt. Er biegt ab und rast dann die 240 er nach Hause. Schön, dass wir noch zu dritt sind, -„geteiltes Leid ist halbes Leid“. Und die Strecke von der Mosel zurück nach Kastellaun erzeugt schon einiges an Leid. Da sind ziemlich steile Stellen zu fahren und das 25er Ritzel ist, natürlich auch in diesem Jahr, wieder fast zu klein. Aber die Beine fühlen sich noch relativ gut an, trotz des schnellen Starts. Aber das müssen sie auch, schließlich ist erst „Halbzeit“.

Auf dem Rückweg nach Rockenhausen haben wir wohl alle einen oder mehrere Durchhänger aber wir rappeln uns wieder auf. Gemeinsam macht so etwas ja viel mehr Spaß, als wenn man alleine unterwegs ist. Und ich erinnere mich an den Werbespruch „Sport ist im Verein am schönsten“. Der Gegenwind kommt mehr als prognostiziert von der Seite und ist gar nicht so schlimm wie vormittags noch befürchtet. Dennoch war an der letzten Verpflegungsstelle viel Überzeugungsarbeit nötig, damit mich Norbert nicht gleich wieder von der Bierbank auf Rad setzt, -was bin ich müde!

Bis Rockenhausen nicht mehr weit und das ist gut so. Ich erhole mich sogar wieder auf diesen „letzten“ Kilometern. Es ist das übliche Auf und Ab bei einer Langstreckenfahrt und dennoch stellt sich bei jedem „Ab“ die spannende Frage, ob es wieder ein „Auf“ gibt oder ob man dann doch endgültig einbricht. In Rockenhausen angekommen habe ich mich schon deutlich schlechter gefühlt als in diesem Jahr, obwohl dieses Mal der Tacho bereits >370 km zeigt. Aber es gab ja auch mehr Windschatten als sonst. Also:  Keine Frage (mehr) ich fahre noch bis nach Hause.

19:30 Uhr: Nach einer herzlichen Verabschiedung und einer fröhlichen Diskussion darüber, welches Energiegel am besten hilft und warum das so ist, montiere ich wieder meine Batteriebeleuchtung und mache mich auf den Weg nach Altstadt.

22:33 Uhr 444 km auf dem Tacho, es ist genau so dunkel wie vor 19 Stunden, ich bin müder aber glücklicher als am Morgen. Nacken, Knie und was es sonst noch so gibt … alles tut weh. Und sogar das Bier zu Haue habe ich nicht ganz austrinken können, was mir sonst eigentlich fast nie passiert. Und immer wieder die Frage: „Warum tut man sich das immer wieder an?“. Aber die Antwort ist ganz einfach: „Weil es soooo schön ist, wenn es vorbei ist“:

Und ich weiß jetzt schon, was nächstes Jahr zu tun ist, wenn es nicht regnet. Vielleicht kommen ja noch ein paar mehr mit.


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