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Unser rasender Notar beim SURM 2014

 

Als großer Freund des Schwarzwalds war es für mich ein Muss irgendwann beim SURM (Schwarzwald Ultra Rad Marathon) in Alpirsbach anzutreten, der Veranstalter verspricht immerhin mit über 4000hm auf 230km, alpine Herausforderungen. Nachdem letztes Jahr bereits die Teilnahme an der Absage meines Mitstreiters gescheitert war, hatte ich mir dieses Jahr vorgenommen mitzufahren und zwar gleich wer mitfährt und gleich wie das Wetter ist. Es kam wie es kommen musste: Es war schlechtes Wetter angekündigt und ich war allein. So sattelte ich mein Wohnmobil und reiste am Abend des 20. September in Alpirsbach an. Das Wetter war auf der Fahrt Klasse, die Sonne schien bei über 25 Grad, die Hoffnung wuchs, trotz schlechter Vorhersage gutes Wetter zu haben.
Für die Nudelparty bin ich leider zu spät, auch für die Rezeption auf dem Campingplatz. Ich parke auf den Stellplätzen vor der Schranke und haue mich ins Bett. Die Hoffnung, das Wetter bliebe stabil, wurde bereits in der Nacht enttäuscht, die ersten Tropfen auf dem Womodach kündigen einen starken Regenguss an. Morgens regnet es dann in Strömen. Ich melde mich noch am Campingplatz an und bin bereits durchnässt. Unter dem Vordach des Wirtschaftsgebäudes kauern Gestalten in Radsportkleidung und winken mir zu; offenbar ebenfalls SURMler. Zum Start um 7.00 Uhr bin ich pünktlich. Bei der Anmeldung werden Regenjacken feilgeboten. Die Stimmung ist toll (Galgenhumor: Ist das alles! Wenigstens wird es nicht zu heiß!), die zu Hause gebliebenen Schoner werden allgemein in Abwesenheit als bettlägerig beschimpft. Die Mitstreiter tragen alle Regenjacken, ich nicht (kann das Geflattere nicht leiden). Hätte ich mir doch eine Jacke am Start kaufen sollen?

Es gibt einen anständigen Startschuss mit Rakete und die Fahrt geht los. Der Regen stört uns nicht mehr und wir fahren fröhlich in größeren Gruppen in recht flotter Fahrt ins Trübe. Die ersten Berge sind schnell genommen, obgleich schon sehr steil und sehr lang (in der Regel bis zu 12% Steigung auf einer Länge von mindestens 5km). Immerhin ist hier der Kniebis (ca. 1000m) zu nehmen und beim Wechsel von einem in das andere Schwarzwaldtal jeweils der dazwischen liegende Bergrücken.
Die erste Kontrollstelle ist so erst nach ca. 70km und einem Drittel der Höhenmeter erreicht, ich stopfe schnell einiges an Kohlehydraten in den Schlund und mache mich mit den Ersten wieder auf (bloß nicht auskühlen; ich habe ja keine Jacke!). Jetzt gilt es Körner zu sparen für das Dach des Marathons, den Kandel. Vor dem Kandel steht aber noch die Auffahrt zu den Höhenhäusern an, immerhin ein Berg von nochmals ca. 500hm und 12% Steigung. Auf der Anfahrt zur Kuppe klingelt das Handy. Die Familie ist besorgt, sie haben den Wetterbericht gelesen; Unwetterwarnung im Hochschwarzwald. Bei uns hat der Regen allerdings aufgehört, es reißt etwas auf, ich gebe mit einem Foto Entwarnung nach Hause.
Die Gruppe ist weg, ich nehme den Anstieg allein. Bei den Höhenhäusern ist die nächste Verpflegung (ca. km 90), was Sinn macht vor dem Kandel. Auch hier liegt der Genuss im kurzen Vollzug und ich stürze mich schnell in die Abfahrt Richtung Waldkirch. Zum Glück fahre ich auf zwei Kollegen auf, mit denen ich bis an den Fuß des Kandel mir die Arbeit im Tal etwas teilen kann. Am Kandel ist dann jeder allein. Auf zehn Kilometern ca. 1000hm auf die über 1200m hohe Passhöhe ist fast alpin. Ich kenne den Berg gut und fange flott an. Nach etwa 4km schmerzen die Knie und die Oberschenkel; ich hätte wohl doch mein Schwarzwaldrad mit der Dreifachkurbel nehmen sollen und nicht die Kompaktkurbel. Ich nehme etwas raus und bin nach weiteren 2 km wieder da. Allerdings fängt es erneut heftig an zu regnen (die Unwetterwarnung?).
Ich komme erstaunlich frisch auf der Passhöhe an, es stürmt allerdings und schüttet wie aus Eimern. Das Selfi vor der Infotafel ist kaum möglich aber für die Daheimgebliebenen (Bettlägerigen) Pflicht.
Kandel, Berg der Kräfte
Kurz hinter der Kuppe ist die Verpflegung. Helfer und Fahrer drängen sich unter den Zeltplanen, die unter der Wasserlast sich biegen und im Wind bedenklich schwanken. Für mich gilt: Kohlenhydrate zuführen, Flüssigkeit tanken und nichts wie wieder weg, nur in Bewegung bleiben, ich habe ja keine Jacke. Hier sind gut 2/3 der Höhenmeter geschafft und ca. 125km zurückgelegt, jetzt kann nichts mehr passieren. Ich schaue erstmalig auf mein Garmin und auf die Uhr: Erst 12.30 Uhr; ich bin voll im Soll. Ein Rennen mit dem Besenwagen wird das nicht.
Die Meisten zögern noch, ich werfe mich in die Abfahrt, in das nasse Nichts. Die Straße selbst ist nur noch ein Fluss. Zum Glück kenne ich den Weg Richtung St. Peter gut, ich weiß wo die Kehren sind, so kann ich es auch ohne Sicht etwas laufen lassen. Für mich als Wassersportler fühlt es sich an wie Windsurfen bei Orkan in der Nordsee, aber ohne Neopren. Trotz oder gerade wegen der apokalyptischen Bedingungen werden Glückshormone frei, es ist einfach geil!  An dem ersten Kollegen schieße ich vorbei, er steht förmlich in der Abfahrt, andere stehen am Rand unter Bäumen und suchen Schutz; ich rase weiter. Runterbremsen mit erstarrten Fingern, aus der Kurve raus im Wiegetritt, ohne Brille mit Regentropfen wie Nadelstichen in den Augen.
Auf dem Gegenanstieg in Richtung Passhöhe Turner erkenne ich schemenhaft vor mir einen Mitstreiter, auf den ich langsam auffahre. Die reflexhafte Temposteigerung, um das Hinterrad zu erreichen, bleibt allerdings aus, was wohl daran liegt, dass ich weder Hände noch Füße mehr spüre und mittlerweile der Starkregen von Blitz und Donner begleitet wird, der mögliche Windschatten am Hinterrad des Vordermannes tritt hier in den Hintergrund. Ich versuche, mich zu beruhigen und den Abstand zwischen Blitz und Donner zu zählen. Es gibt allerdings nichts zu zählen, wir sind mitten drin.
Der Anstieg Richtung kalte Herberge (der Name ist Programm) ist lang aber moderat, dahinter kommt die nächste Verpflegung. Wir sind alle extrem ausgekühlt. Ein junger Mitstreiter zittert am ganzen Körper wie Espenlaub (trotz Regenjacke). Bei mir sind es nur Hände und Füße, die nicht mehr richtig angesteuert werden können, kein ungewohntes Gefühl für einen Allwetterradler. Trotzdem genieße auch ich die heiße Brühe und fasse ein gesalzenes Butterbrot. Nun geht es erst einmal runter und in einen letzten wirklichen Anstieg (unter 10%, eine Kleinigkeit) bis Peterzell zur nächsten Kontrolle. Ich beschließe, den Rest nur noch zu genießen und fahre allein. In dem welligen Hügelland hinter dem Schwarzwaldhauptkamm hört es schließlich auf zu regnen der Himmel reißt auf, die Sonne kommt raus, Füße und Hände melden sich zurück. Ein Genuss. Pünktlich zur 4km langen Schlussabfahrt nach Alpirsbach kommt allerdings der Regen in gewohnt üppiger Form zurück, es kümmert wohl niemanden mehr.
Im Ziel verpasse ich die Einfahrt auf den roten Teppich und werde von freundlichen Helfern zurückgerufen, sie wollten mir die Einfahrt unter ihrem Jubel nicht nehmen. Das legendäre kühle Alpirsbacher Klosterbräu zum Abschluss hätte ich auch in lauwarm genommen. Die Atmosphäre im Ziel ist grandios. Das Gefühl, bei diesem Wetter einen solchen Marathon (ob als Fahrer oder Helfer) bestritten zu haben, ist unvergleichlich und schweißt zusammen. Man blickt nur in freundliche und tief glückliche Gesichter.
Mein Tacho zeigt 240km und 4200hm. Eine Anzeige der Windgeschwindigkeiten und Regenniederschlagsmenge habe ich nicht. Der Schnitt von 26km/h ist für mich Nebensache, die deutlich über 30 von Schmelz, Riegelsberg, Losheim, Pirmasens, Bodensee etc. waren für mich ohnehin kein Ziel. Ich muss leider weg und fahre durch den Regen zum Campingplatz. Noch nie habe ich mich so auf mein Sperrholz-Hotel gefreut. Zum Glück hatte ich die Heizung angestellt und kann eine warme Dusche genießen. Der Campingplatzbetreiber erzählt mir noch, dass die Kollegen, die ich am Morgen gesehen hatte, abgereist seien; sie haben gekniffen. Selber schuld, die wissen nicht, was ihnen entgangen ist!
Vielen Dank an die Organisatoren und Helfer; eine tolle Veranstaltung, die auch ein tolles Wetter verdient hätte!!
Jörg Lindemeier  
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